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Das Südwestmoor – Schlund aus Nebel und Blut

Zwischen Wurzeln, Nebel und vergessenen Namen gewachsen.

Im südwestlichen Winkel Elaruns, wo selbst die Karten der alten Reiche nur zögerlich Linien ziehen, breitet sich ein Gebiet aus, das in keiner Sprache einen festen Namen trägt. Die Menschen nennen es das Südwestmoor. Die Alten flüstern „Thrail'nag“ – die sinkende Seele.

Es ist kein Ort, den man durchquert. Es ist ein Ort, den man betritt – und danach jemand anderes ist.

Das Moor lebt. Nicht wie ein Tier, nicht wie ein Wald. Es atmet anders. Es beobachtet. Nebel zieht dort nicht – er bleibt stehen, wie eine Haut, die sich über das Land gelegt hat. Der Boden ist weich, aber nicht nur durch Wasser. Etwas darunter bewegt sich manchmal. Etwas, das Wurzeln meidet.

Die wenigen, die dort leben, sind keine Völker im klassischen Sinne. Sie sind Formen, Überreste, Bruchstücke von Blutlinien, vermischt mit Altem. Manche sehen aus wie Menschen. Andere wie Reptilien, die zu lange träumten. Und wieder andere tragen Gesichter, die sich im Nebel verändern. Rhirnas stammt von dort. Und in seinen Adern fließt das, was man in Khadur nur die Sumpferbschaft nennt.

Es gibt keine Städte im Südwestmoor. Nur Stellen, die sich erinnern lassen. Ein zerbrochener Obelisk hier. Ein halb versunkenes Steingesicht dort. Manche nennen diese Orte die Gleißenden Kuppen, weil Licht dort anders bricht. Magie funktioniert im Moor – aber nicht wie anderswo. Zauber reagieren auf Angst. Man sagt, die Gedanken der Reisenden werden Teil des Bodens, wenn sie zu laut gedacht werden.

Doch nicht alles ist Verfall. In der Tiefe des Moors existieren uralte Kultstätten. Ringe aus Knochen, Tempel aus schwarzem Glas. Dorthin kehren jene zurück, die mit dem Nebel sprechen können. In diesen Kulten werden Rituale vollzogen, die in der Oberfläche längst verloren sind. Manche davon sind Gesänge. Andere – Opfer.

Man sagt, ein Tor liegt irgendwo im Zentrum des Südwestmoors. Nicht gebaut, nicht geöffnet – sondern erwachsen aus der Erde selbst. Ein Ausgang vielleicht. Oder ein Maul.

Der Boden des Südwestmoors frisst nicht jeden. Nur jene, die glauben, sie seien sicher.