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Die Bastion der Erzmagier von Velmor

Eine Festung, erbaut aus Wissen, geformt von Wahnsinn und verzehrt von dem, was jenseits der Welt liegt.

In den frühen Tagen des Reiches Velmor, als Könige noch an Magier glaubten und nicht an Stahl allein, wurde tief im vergessenen Nordwesten ein Bauwerk errichtet, das kein Mensch ganz verstand. Es war Khadur, doch in jenen Tagen trug es noch einen anderen Namen: Nira’Vala – die Schwelle des Sternenbluts.

Der Ort war nicht zufällig gewählt. Die Erde vibrierte dort leise, wie ein atmendes Wesen, durchdrungen von Kraftadern uralter Magie. Ein Ort, der nie hätte bewohnt werden dürfen. Doch Velmor war gierig, und seine Erzmagier noch mehr. Sie errichteten Türme, deren Spitzen sich in den Himmel bohrten, und Hallen, in denen selbst das Licht gezähmt wurde. Ihre Bibliotheken flüsterten in der Dunkelheit, ihre Portalkammern öffneten Tore zu fremden Welten, und ihre Spiegelräume hielten nicht nur Spiegelbilder fest.

Die Erzmagier selbst waren keine gewöhnlichen Menschen. Manche von ihnen waren älter als das Reich, andere sprachen mit Stimmen, die aus Träumen kamen. Sie kommunizierten nicht nur miteinander, sondern mit Dingen, die unter den Gewölben lebten oder über den Sternen wachten. In ihren Turmräumen verformte sich Zeit, und Realität war eine Frage des Willens.

Die Tiefe der Bastion war von besonderer Art. Unter den sichtbaren Ebenen befand sich der Kern, ein einziger versiegelter Raum, von dem niemand genau wusste, was in ihm ruhte. Einige glaubten, dort sei ein Splitter der Ur-Magie eingeschlossen, eine Art Herz der Welt, eingefangen in sieben Schichten von Bannzaubern und Hoffnung. Andere sagten, es handle sich um einen Ort, an dem nicht die Magie, sondern ein uraltes Bewusstsein schlief – etwas, das nie hätte geweckt werden dürfen.

So groß ihre Macht auch war, die Erzmagier waren nicht unfehlbar. Sie begannen zu verschwinden. Nicht alle auf einmal, sondern wie Tropfen, die in der Tiefe versickerten. Einer wurde durch einen Flammenzauber zu Licht und Asche. Eine andere folgte einer Stimme durch ein Portal und wurde nie wieder gesehen. Die Bastion wurde still. Kein Rauch stieg mehr auf, keine Lichter flackerten in den Fenstern. Eines Tages war sie einfach … leer.

Doch der Bau stand. Die Mauern, von Runen durchzogen, trotzten Zeit und Wetter. Der Eingang wurde mit roher Gewalt verschlossen, von jenen, die fürchteten, was noch darin hausen mochte. Khadur, wie es heute genannt wird, ist nur noch ein leeres Gerippe der einstigen Macht – eine Ruine, ein Fluch, ein Echo.

Doch manche sagen, die Bastion schläft nur. Und wenn man tief genug gräbt, wenn man den letzten Vers des siebten Liedes singt, dann öffnet sich der Kern. Und mit ihm – etwas, das selbst die Götter einst nicht benennen wollten.